progress / decay
Eine denkbar einfache Seite: Man kann frei tippen – doch jedes Wort verschwindet nach kurzer Zeit wieder, nichts bleibt stehen. progress / decay macht spürbar, wie schnell alles, was wir hervorbringen, wieder vergeht und vergessen wird.
Herausforderung
Fast alles, was wir tun, ist flüchtig: Wir schreiben, gestalten und produzieren ununterbrochen – und das meiste davon ist kurz darauf schon wieder vergessen. progress / decay sollte genau dieses Spannungsverhältnis erlebbar machen: den Moment, in dem aus dem Fortschritt des Tippens der Zerfall des Vergessens wird – nicht erklärt, sondern unmittelbar am eigenen Text erlebt.
Die Gratwanderung lag darin, das Verschwinden nicht wie einen Fehler wirken zu lassen, sondern wie etwas Selbstverständliches, fast Ruhiges. Die Seite musste so leer und still sein, dass die einzige Handlung – das Tippen – und der einzige Effekt – das Vergehen – die ganze Aussage tragen.
Prozess
Im Zentrum steht eine einzige Geste: Man tippt, der Text erscheint – und löst sich nach kurzer Zeit wieder auf. Es gibt kein Speichern, keinen Verlauf, kein Zurückholen; was vergangen ist, bleibt vergangen. Genau dieses Fehlen jeder Rettungsoption ist der Kern des Projekts. Gestalterisch habe ich alles weggelassen, was Halt geben würde – keine Buttons, keine Navigation, keine Erklärung. Übrig bleibt nur die Fläche zum Schreiben und das stetige Vergehen: Fortschritt und Verfall in derselben Bewegung.
Lösung
Entstanden ist eine radikal reduzierte Seite: eine leere Fläche, auf der man einfach zu tippen beginnt. Jede Eingabe erscheint für einen Moment und vergeht dann wieder – ruhig und unaufhaltsam. Ohne Oberfläche, ohne Werkzeuge, ohne Ablenkung wird das Verschwinden selbst zum eigentlichen Inhalt und der Gegensatz aus progress und decay im eigenen Schreiben spürbar.
Ergebnis
Das Projekt lebt von einem stillen Moment der Nachdenklichkeit: Wer ein paar Sätze tippt und sie verschwinden sieht, spürt unmittelbar, wie vergänglich das meiste ist, was wir tun. Für mich war es ein schönes Stück Creative Coding, das mit minimalen Mitteln eine große Idee trägt – eine Interaktion, die gerade dadurch wirkt, dass sie nichts festhält.
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personal / public