Airbnb 3D‑Rundgang
Ein neues Feature für die Airbnb-App: Vor der Buchung bewegt man sich wie bei Street View in 3D durch die Unterkunft und bekommt ein echtes Raumgefühl, statt sich auf geschönte Fotos zu verlassen. Konzept und Figma-Prototyp aus dem Modul Interface Design – ein Studienprojekt, nicht mit Airbnb verbunden.
Herausforderung
Die Aufgabe im Modul Interface Design: ein bestehendes Produkt analysieren, eine Zielgruppe mit einem Bedarf finden, den es bisher nicht abdeckt, und dafür ein neues Feature konzipieren, gestalten und als Prototyp umsetzen. Ich habe mich für Airbnb entschieden.
Das Problem liegt in den Fotos: Sie sind kuratiert und oft mit Weitwinkel aufgenommen, dadurch wirken Räume größer, heller und ordentlicher als in der Realität. Vor allem fehlt der räumliche Zusammenhang – wo liegt das Bad im Verhältnis zur Küche, wie eng ist der Eingangsbereich? Gäste treffen so eine große finanzielle Entscheidung auf Basis von Bildern, die ein unvollständiges oder sogar irreführendes Bild zeichnen.
Besonders betrifft das Reisende mit erhöhtem Orientierungsbedarf: Erstnutzer, Menschen mit räumlicher Unsicherheit wie Rollstuhlfahrer oder Familien mit Kindern und Langzeitreisende, die für Wochen oder Monate buchen und die Wohnung wirklich kennen müssen, bevor sie einziehen.
Stellvertretend dafür steht Lena, 28: Sie bucht zum ersten Mal eine Airbnb-Wohnung, für drei Wochen in Lissabon. Sie will wissen, ob die Küche wirklich nutzbar ist, wie groß das Schlafzimmer tatsächlich ist und ob sie mit dem Rollkoffer durch den Flur kommt – Fragen, die ihr kein Foto zuverlässig beantwortet.
Prozess
Aus der Analyse entstand die Idee eines interaktiven 3D-Rundgangs direkt in der App – ähnlich wie Google Street View, nur für Unterkünfte. Die Inhalte dafür liefern die Hosts selbst: Sie scannen ihre Wohnung mit dem Smartphone per LiDAR oder Photogrammetrie ein.
Darauf aufbauend habe ich den User Flow festgelegt, der sich nahtlos in die bestehende Buchungsstrecke einfügt:
- Unterkunft in den Suchergebnissen auswählen
- Detailseite öffnen
- Button „3D-Rundgang starten“ antippen
- In die immersive 3D-Ansicht eintauchen
- Frei navigieren per Swipe und Tap
- Einzelne Räume gezielt anwählen
- Zurück zur Detailseite und buchen
Informationsstruktur und zentrale Interaktionsschritte habe ich in Wireframes ausgearbeitet und die Screens anschließend konsequent in der bestehenden Designsprache von Airbnb gestaltet, damit sich das Feature wie ein natürlicher Teil der App anfühlt. In Figma entstand daraus ein klickbarer Prototyp.
Lösung
Das Feature begleitet die Nutzer über vier Stationen. Ein Pop-up auf dem Startbildschirm macht auf den neuen Rundgang aufmerksam, ein Info-Screen erklärt kurz, was er kann: jeden Raum erkunden, sich über den Grundriss orientieren und Ausstattung, Aussicht und Details aus der Nähe sehen. Im Inserat ist der Einstieg dort eingebunden, wo man sich die Unterkunft ohnehin genauer ansieht.
Der Rundgang selbst funktioniert wie Street View: Man steht virtuell in der Wohnung, schaut sich per Swipe frei um, bewegt sich per Tap weiter und springt über die Raumauswahl direkt zu Küche, Bad oder Schlafzimmer. So bekommt man ein echtes Raumgefühl, bevor man bucht – und nicht erst beim Einchecken.
Ergebnis
Entstanden ist ein durchgängiger, klickbarer Figma-Prototyp vom ersten Hinweis auf dem Startbildschirm bis zum Rundgang durch die Unterkunft. Der Mehrwert, den das Feature schaffen soll:
- Realistische Erwartungen – weniger Enttäuschungen bei der Ankunft
- Räumliche Orientierung schon vor der Reise
- Barrierefreiheit besser einschätzbar: Türbreiten, Schwellen, Badezimmer
- Mehr Vertrauen in die Buchung – und damit mehr Buchungen, auch im Interesse der Hosts
Die größte Lektion für mich: Ein neues Feature in ein etabliertes Produkt einzufügen, heißt vor allem, sich zurückzunehmen. Die bestehende Designsprache gibt den Rahmen vor, und gutes Design zeigt sich hier daran, dass sich das Neue anfühlt, als wäre es schon immer Teil der App gewesen.
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